Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation (GfK)

Aktualisiert: Juni 25

Im folgenden Blogartikel erhalten Sie sowohl eine Einführung in die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg als auch eine Anleitung, wie die 4 zentralen Schritte der gewaltfreien Kommunikation aussehen und angewendet werden können.


Inhaltsangabe


1. Einführung in die gewaltfreien Kommunikation

2. Die 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation

2 a) Beobachtung

2 b) Gefühle benennen

2 c) Bedürfnisse benennen

2 d) Bitte formulieren

3. Zusammenfassung



1. Einführung in die gewaltfreie Kommunikation


Vor ca. drei Jahren bin ich auf ein Thema aufmerksam geworden, was seither sowohl mein Privatleben als auch meine therapeutische Arbeit maßgeblich beeinflusst hat. Es handelt sich um die "Gewaltfreie Kommunikation, GfK" (engl. nonviolent communication), die von Marshall B. Rosenberg (1934 -2015) entwickelt wurde. Ich möchte in diesem Blogpost das Grundkonzept der GfK vorstellen. Es handelt sich um ein komplexes Thema, zu welchem ich auch in Zukunft immer wieder neue Beiträge veröffentlichen werde.


Die GfK ist nicht nur eine Kommunikationsform, sondern eine Lebenseinstellung. Deswegen gibt es einerseits eine bestimmte "Technik" mit der Kommunikation gestaltet wird, auf der anderen Seite gibt es Grundannahmen, die die generelle Voraussetzung in uns zum gewaltfreien Kommunizieren schaffen sollen. Gewaltfreie Kommunikation findet immer auf Grundlage von Empathie statt. Wenn Menschen empathisch auf ihren Gesprächspartner eingehen können, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber sich kooperativ und offen für die eigenen Bedürfnisse zeigt. Das ist leicht nachvollziehbar. Wenn mir jemand mit empathischer Wertschätzung begegnet, bin auch ich eher bereit, diesem Menschen zuzuhören, was er mir mitteilen möchte. Begegnet mir jemand mit Vorwürfen, Verurteilungen und Anschuldigungen, mache ich innerlich eher "zu" und versuche erst gar nicht die Bedürfnisse und Gefühle des Anderen zu verstehen oder gar darauf einzugehen. Auf die weiteren Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation werde ich in einem neuen Blogartikel eingehen.



Rosenberg hat zwei Arten von Kommunikation unterschieden. Da ist einmal die lebensbejahende Sprache des Herzens. Diese nennt er "Giraffensprache". Die Giraffe hat ein großes Herz und kann sich von oben einen guten Überblick über Situationen verschaffen. Sie kommuniziert gutmütig, empathisch, urteilsfrei.



Auf der anderen Seite steht die lebensentfremdende Kommunikation. Diese drückt Macht aus, beschuldigt das Gegenüber und trennt Verbindungen zwischen Menschen. Das ist die "Wolfssprache". Insbesondere bei starken Gefühlen wie Wut, Angst, Traurigkeit kann es sein, dass der Wolf in uns hervorkommt und nach außen brüllt um sein Revier zu markieren.



2. Die 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation


Alle Menschen benutzen mal die eine, mal die andere Sprache. In der GfK geht es darum, dem Wolf häufiger Einhalt zu gebieten und mit der Güte der Giraffensprache zu kommunizieren. Ziele sind, dass Konflikte so gelöst werden können, dass alle bekommen, was sie brauchen. Es geht darum zu verstehen und verstanden zu werden. Die GfK unterstützt dabei die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und diese nach außen kommunizieren zu können. Für diese Kommunikationstechnik hat Rosenberg vier Schritte entwickelt, die darauf abzielen, größtmögliche Verbindung zwischen den Gesprächspartnern zu schaffen, sodass eine Atmosphäre von Verständnis, Offenheit und Sicherheit entstehen kann. Diese sind:

  1. Beobachtung in der Situation

  2. Gefühl erkennen und äußern

  3. Bedürfnis erkennen und äußern

  4. Bitte formulieren


2 a) Beobachtung


In der GFK achten wir darauf, nicht zu interpretieren und zu bewerten, sondern auf Grundlage von tatsächlichen Beobachtungen zu kommunizieren. Das ist viel schwerer als gedacht, denn normalerweise bewerten wir stets und ständig Alles und Jeden. Beispielsweise ist die Aussage "Du bist zu spät" keine Beobachtung, sondern eine Bewertung. Eine Beobachtung wäre "Wir hatten uns für 16:00 Uhr verabredet. Jetzt ist es 16:30 Uhr.". Es ist ratsam mehr Beobachtungen als Bewertungen zu äußern, da häufig, die Dinge die wir hören, gar nicht das sind, was die anderen gesagt haben. Interpretationen bieten immer viel Spielraum für Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Hier sind einige weitere Beispiele, die den Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung verdeutlichen können:


Bewertung Beobachtung

"Dein Zimmer ist total unordentlich!" "In deinem Zimmer liegen drei Pullis, vier

Hosen und zwei Teller mit Essensresten

auf dem Boden."


"Du hilfst mir nie!" "Vor zwei Tagen hatte ich dich gebeten,

einkaufen zu gehen. Bis jetzt haben wir noch

keine neuen Lebensmittel."



2 b) Gefühle erkennen und benennen


Gefühle auszudrücken fällt vielen Menschen unheimlich schwer. Selbst das Fühlen von Gefühlen fällt den meisten Menschen heutzutage schwer. In der GfK ist die Benennung des Gefühls ein wesentlicher Bestandteil des Kommunikationsprozesses. Ereignisse und Situationen werden von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Daher ist es wichtig, dass wir nach außen kommunizieren, wie es uns aktuell geht, denn das ist für unseren Gesprächspartner nicht immer anhand der Situation ersichtlich. Wenn wir nämlich sagen "Wir hatten uns für 16:00 Uhr verabredet. Jetzt ist es 16:30 Uhr.", dann kann unser Gefühl dazu sehr unterschiedlich ausfallen. Beispielsweise könnten wir uns ärgern, weil wir lange warten mussten, wir könnten aber auch erleichtert sein, da wir selbst nicht 16:00 Uhr da waren. Die Arbeit mit der eigenen Emotionsregulation ist ein großes Thema in meiner therapeutischen Arbeit. Wenn wir unsere Gefühle kennen und tatsächlich spüren dürfen, dann können wir anderen diese viel leichter mitteilen, was uns in Verbindung bringt.


Beobachtung: "Wir hatten uns für 16:00 Uhr verabredet. Jetzt ist es 16:30 Uhr. Ich war 16:00

Uhr am Treffpunkt."

Gefühl: "Ich bin ärgerlich und mir ist kalt."



2 c) Bedürfnisse erkennen und benennen


Was will ich? Was brauche ich? Wer ist für meine Bedürfnisse zuständig?

Bedürfniswahrnehmung und Bedürfnisäußerung ist harte Arbeit. Im Rahmen der gewaltfreien Kommunikation wird der Bedürfnisäußerung ein großer Stellenwert beigemessen. Nur wenn wir anderen Menschen mitteilen können, was wir brauchen, können diese sich auf uns einstellen und uns entgegenkommen. Die Bedürfnisse und Gefühle stehen dabei in engem Zusammenhang. Denn unsere Gefühle sind es, die uns Auskunft über unsere Bedürfnisse geben. Deswegen sind Gefühlswahrnehmung und Bedürfniswahrnehmung auch eng miteinander verknüpft. Menschen, die Probleme damit haben, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen, sind oft nicht in der Lage zu beurteilen, was sie in bestimmten Momenten brauchen. Insbesondere bei Gefühlen, die nicht angenehm sind, wie Traurigkeit, Wut, Angst etc., kann bei ungenauer Gefühlswahrnehmung eine inadäquate Bedürfniswahrnehmung erfolgen. So kann es vorkommen, dass bei Traurigkeit nicht die Traurigkeit an sich gespürt wird, sondern nur ein allgemein unangenehmes Gefühl. Um das Gefühl loszuwerden, entsteht ein Bedürfnis nach Ablenkung, was dann z. B. durch den Konsum von Schokolade befriedigt wird.

Wenn wir das Beispiel von dem 16:00 Uhr Treffen aufgreifen, ergibt sich als dritter Schritt der GfK die Äußerung des Bedürfnisses.


Beobachtung: "Wir hatten uns für 16:00 Uhr verabredet. Jetzt ist es 16:15 Uhr. Ich war 16:00

Uhr am Treffpunkt."

Gefühl: "Ich bin ärgerlich und mir ist kalt."

Bedürfnis: "Mir ist Verlässlichkeit wichtig."



2 d) Bitte formulieren


Natürlich sollen wir am Ende des Prozesses mit der GfK auch darin unterstützt werden, anderen Leuten mitzuteilen, wie sie uns bestmöglich in der Bedürfniserfüllung unterstützen können. Dazu dient der 4. Schritt beim gewaltfreien Kommunizieren. Bei der Bitte formuliert man möglichst klar und präzise, was man sich von seinem Gegenüber wünscht, damit die eigenen Bedürfnisse erfüllt werden können. Hierbei ist wichtig zu beachten, dass es sich um eine Bitte bzw. einen Wunsch handelt, der durchaus auch von dem Gesprächspartner abgelehnt werden kann. Das ist in Ordnung. Denn in den Grundannahmen der GfK ist ein wichtiger Punkt die Freiwilligkeit. Wir möchten nicht, dass Menschen mit uns fälschlicherweise kooperieren, weil sie von uns manipuliert oder erpresst wurden. Wir wollen, dass unsere Bitten und Wünsche auf Grundlage von freiwilligen Handlungen erfüllt werden. Dies schließt mit ein, dass unser Gegenüber auch "Nein." sagen darf und anderer Meinung sein kann. In weiteren Beiträgen, werde ich noch erläutern, was dann mit unseren Bedürfnissen passiert, wenn wir die Freiwilligkeit beim anderen nicht sofort erzielen können. Die Bitte sollte auf Grundlage der Freiwilligkeit, dann auch als solche formuliert werden.


Beobachtung: "Wir hatten uns für 16:00 Uhr verabredet. Jetzt ist es 16:30 Uhr. Ich war 16:00

Uhr am Treffpunkt."

Gefühl: "Ich bin ärgerlich und mir ist kalt."

Bedürfnis: "Mir ist Verlässlichkeit wichtig."

Bitte: "Wärst du bereit, mir beim nächsten Treffen rechtzeitig Bescheid zu geben,

wenn du dich verspätest?"


Dies sind die vier Schritte, nach denen die gewaltfreie Kommunikation aufgebaut ist. In Kurzform bedeutet es: „Wenn ich a sehe, dann fühle ich b, weil ich c brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“


a = Beobachtung b = Gefühl c = Bedürfnis d = Bitte



3. Zusammenfassung


In meinen Beratungen unterstütze ich die Klient*innen dabei einerseits in die Technik der GfK einzusteigen, andererseits bieten die Grundannahmen und Haltungen, der gewaltfreien Kommunikation eine wunderbare Basis, um an der Emotions- und Bedürfniswahrnehmung zu arbeiten sowie Empathie und Selbst-Mitgefühl zu entwickeln. Die Selbstreflektion der eigenen Gefühle und Bedürfnisse versetzt uns nämlich erst in die Lage, gewaltfrei kommunizieren zu können. Nur wenn ich weiß, was ich fühle und warum ich es fühle, kann ich erkennen, was ich brauche (Bedürfnisse). Erst danach kann ich wirklich mit anderen darüber in Austausch treten. ⁠Wenn ich erfahren durfte, dass ich selbst für meine Gefühle und Bedürfnisse verantwortlich bin, kann ich Schuldzuweisung, Vorwürfe und Verurteilungen hinter mir lassen. Begeben Sie sich mit mir auf die Reise zur vollständigen Akzeptanz aller auftauchenden Gefühle und dem ultimativen Wissen, dass SIE allein in der Lage sein werden, für Ihre Bedürfnisse zu sorgen. Gewaltfreie Kommunikation bringt Unabhängigkeit, Freiheit und Frieden in den Kontakt mit Ihrem Partner, Kindern, Eltern, Arbeitskollegen oder Freunden.

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