Der Innere Kritiker - Ausprägungen, Ursachen und Methoden für einen friedvollen Umgang

Wer ist der innere Kritiker? Woran erkenne ich innere kritische Anteile? Woher kommen innere Kritiker und wie werde ich sie wieder los?



Inhalt

1. Unsere Selbstanteile "Wer bin ich und wenn ja, wie viele...?"

2. Der innere Kritiker

2 a) Wie sich der innere Kritiker bemerkbar macht

1) Der Kontrollierte "Mrs./Mr. Strong"

2) Der Perfektionist "Mr.s/Mr. Perfect"

3) Der Antreiber "Mrs./Mr. Hurry"

4) Der Allen-Recht-Macher "Mr./Miss Sunshine"

5) Der Be-und Verurteiler "The BOSS"

2 b) Woher kommen denn diese nervigen Leute in meinem Kopf?

2 c) Wann kommt es zu Problemen mit den inneren Anteilen?

3. Drei Tipps zum Umgang mit dem Inneren Kritiker

3 a) Achtsamkeit

3 b) Selbstmitgefühl

3 c) Bedürfnisse des Kritikers erkennen

4. Begeben Sie sich mit mir auf die Reise zu Ihren Selbstanteilen

 

Im nachfolgenden Blogartikel wollen wir uns einem Selbstanteil widmen, der vielen meiner Klient*innen das Leben schwer macht. Der innere Kritiker. Sie werden erfahren, was Selbstanteilen sind, wofür sie nützlich sein können, wofür aber auch nicht.


 

1. Unsere Selbstanteile "Wer bin ich und wenn ja, wie viele...?"


Der innere Kritiker ist ein sehr prominenter Anteil unseres Selbst. In verschiedenen Therapieschulen existiert die Idee, dass wir verschiedene Selbstanteile besitzen, die in unterschiedlichen Situationen das Steuer unseres Lebensbusses in die Hand nehmen.


Stellen Sie sich vor, Sie müssten über jede einzelne Tätigkeit des Tages aktiv nachdenken und könnten auch Tätigkeiten, die Sie häufig ausführen nur dann korrekt ausführen, wenn Sie voll konzentriert bei der Sache sind. Das wäre ganz schön anstrengend und auch ineffektiv. Daher gibt es in unserem Gehirn die tolle Funktion, dass bestimmte Prozesse (z. B. Fahrrad fahren, Auto fahren oder auch Laufen) im Gehirn als "Programm" gespeichert werden und ohne großes Nachdenken einfach so ausgeführt werden können. Dies ermöglicht uns, freie Aufmerksamkeitsressourchen zu haben für andere Dinge die dann parallel stattfinden können. Sie müssen also beim Laufen nicht ständig überlegen, welchen Fuß Sie jetzt vor den anderen setzen, denn das Programm läuft automatisch im Hintergrund. Daher können Sie Laufen und sich unterhalten, oder Sie können Auto fahren und ein Lied im Radio mitsingen.


Soweit so gut. Das klingt erstmal sehr hilfreich. Nun ist es so, dass diese Programme für automatische Prozesse nicht nur für einzelne Tätigkeiten vorhanden sind, sondern auch auf ganze Anteile unserer Persönlichkeit übergreifen können. Beispielsweise gibt es dann ein "Programm" wie ich mich automatisch in meiner Mutterrolle verhalte, oder wie ich mich automatisch auf Arbeit gegenüber meinem Chef verhalte. Wenn Sie genau Acht geben, spüren Sie diese Veränderungen sogar körperlich in sich, wenn Sie in die "Mutterrolle", die "Chefrolle" oder auch die "Partnerrolle" schlüpfen.


Die Entstehung dieser Programm oder Selbstanteile steuern wir nicht bewusst. Sie treten an bestimmten Punkten in unser Leben, häufig durch Lernprozesse die immer wieder wiederholt werden. Wichtig ist die Tatsache, dass alle diese Anteile eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen. Sie möchten uns unterstützen, beschützen, im Leben voranbringen, vor unangenehmen Erfahrungen bewahren sprich: sie sind alle dazu da, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen!


Die Schwierigkeiten, die sich mit diesen Selbstanteilen ergeben können, beginnen da, wo wir mit Anteilen bzw. "Programmen" konfrontiert sind, die veraltet, überholt oder ungünstig programmiert worden sind. Dies möchte ich Ihnen anhand des innerern Kritikers verdeutlichen.


2. Der innere Kritiker


Der innere Kritiker ist ein solcher Selbstanteil, der nicht bis ins kleinste Detail ausgeklügelt ist, sondern an der ein oder anderen Stelle "rumbugt".


2 a) Wie sich der innere Kritiker bemerkbar macht


Innere Kritiker können viele verschiedene Formen annehmen. Deswegen fällt es vielen meiner Klient*innen schwer sie zu erkennen. Er klingt im ersten Moment nämlich genauso wie wir selbst. Im inneren Dialog mit uns könnte man meinen, dass wir selbst diese negativen Dinge zu uns sagen. Doch so ist es nicht!


Es gibt einen klar definierten Anteil, den Sie vielleicht sogar in Ihrem Körper spüren können. Es kann eine Veränderung Ihrer Körperhaltung eintreten, Sie können ein Gefühl von Hitze verspüren, vielleicht haben Sie auch einen Kloß im Hals oder fühlen sich wie gelähmt. Dies sind alles körperliche Repräsentationen des inneren Kritikers. Manche Menschen sinken regelrecht in sich zusammen, während die Stimme im Kopf Kritik hageln lässt. Die Worte, die der innere Kritker verwendet, können sehr unterschiedlich sein. Allerdings lassen sich einige generelle Kategorien festlegen, in die Ihr innerer Kritiker fallen könnte.


Im Nachfolgenden stelle ich Ihnen einige typische innere Kritker vor, die mal mehr oder weniger bei Ihnen vorkommen können. Es kann sein, dass Sie bei sich im Kopf nur einen Anteil erkennen oder aber alle zusammen. Die Beschäftigung mit den Arten von inneren Kritikern wird es Ihnen erleichtern, Schlüsselkritiksätze zu identifizieren, um diese dann genauer unter die Lupe nehmen zu können.


1) Der Kontrollierte "Mrs./Mr. Strong"


Häufige Gedanken:

"Du bist nur okay, wenn du immer stark und unangreifbar bist"

"Mich kann nichts erschüttern!"

"Beiß die Zähne zusammen!"

"Zeig keine Gefühle!"

"Bewahre immer Haltung!"

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“.


Aufgeben kommt nicht in Frage! Der kontrollierende Anteil in Ihnen führt dazu, dass Sie sich in ständigem Kampfmodus befinden und alles und jeden als Konkurrenz ansehen. Konkurrenz bedeutet keine Herausforderung für Sie, sondern Gefahr und Angriff. Tief im Inneren möchten Sie zwar Vertrauen und Fürsorge erleben, gleichzeitig fällt es Ihnen zu schwer, sich auf andere Menschen einzulassen, ohne in Konkurrenzkampf zu gehen. Sie wollen als unverwundbar, unverletzlich und unabhängig gesehen werden. Dies erweckt bei anderen schnell den Eindruck von übertriebenem Ehrgeiz.


Ein ausgeprägter kontrollierender Anteil kann Sie durchaus kurzfristig zu außerordentliche Leistungen anspornen. Jedoch lässt sich dieses Pensum nicht über lange Zeit durchhalten. Wenn Sie zwei Nächte durcharbeiten, um eine Hausarbeit abzugeben, ist das machbar, aber wenn Sie versuchen Ihr gesamtes Semester oder gar Ihr Arbeitsleben mit 24 h Produktivität zu füllen, führt Sie das unweigerlich ins Burn-Out. Auch das Wissen um Einzelkämpfertum und darum mit allen Aufgaben ganz allein klarkommen zu müssen, führt irgendwann in einen körperlichen Zusammenbruch.


Die Angst, die hinter dem Anteil verborgen ist, sagt solche Dinge wie "Zeig bloß keine Schwäche, sonst wirst du ausgenutzt und überrannt". Der Anteil wird vermutlich immer dann in Ihnen laut werden, wenn Sie sich mal in Ruhe aufs Sofa setzen wollen oder wenn Sie eigentlich jemanden um Hilfe bitten möchten.


2) Der Perfektionist "Mr./Mrs. Perfect"

Häufig Gedanken in diesem Anteil:


"Sei immer nur mit dem Besten zufrieden!"

"Gut ist nicht gut genug!"

"Es kann immer noch besser werden!"

"Sei nie zufrieden, schon gar nicht mit dir selbst!"

"Mach bloß keinen Fehler!"


Die Idee hinter dem perfektionistischen Anteil ist es, Sie vor Schuldgefühlen und Fehlern zu beschützen. Das Streben nach Perfektion und 100 % fehlerfreien Leistungen löst allerdings in allen Situationen in die Sie sich begeben, extra Druck aus. Eigentlich möchte der perfektionistische Anteil mehr Anerkennung für seine fehlerfreien Leistungen. Dies klappt vielleicht im Job, nicht aber in zwischenmenschlichen Beziehungen. Hier wenden sich die Menschen eher ab von Leuten, die nie etwas falsch machen. Da Perfektionisten bereits das Gefühl haben, allein als Person nicht liebenswert zu sein bzw. nicht genug wert zu sein, verstärkt der Rückzug der Mitmenschen den perfektionistischen Anteil noch mehr. Daher versuchen sie, durch mehr Leistung eine Art Daseinsberechtigung zu erlangen.


Im Unterbewusstsein spielen sich Denkprozesse ab, die in folgende Richtung gehen: "Wenn ich schon als Mensch nicht genüge, dann erbringe ich Leistungen, die alle anderen übertreffen, damit ich wenigstens dafür gemocht werde". Wenn Fehler auftreten (denn Fehler sind auch für Perfektionisten unvermeidbar) entsteht ein unsägliches Schamgefühl in diesem Anteil und somit auch in Ihnen. Aus Angst vor diesem Schamgefühl wird Sie Ihr perfektionistischer Anteil weiter antreiben, bloß alles richtig zu machen.


3) Der Antreiber "Mrs./Mr. Hurry"

Häufige Gedanken:


"Wer schneller ist, schafft am meisten"

„Ich muss schnell damit fertig werden!“

"Zeit ist Geld - erledige alles, so schnell wie möglich!"

"Du darfst nichts verpassen!"

"Mach so viel wie möglich gleichzeitig!"



Wenn dieser Anteil die Bühne betritt, ist Eile angesagt. Er vermittelt Ihnen ein Gefühl, nie genug Zeit für all die Dinge zu haben, die gemacht werden müssen. Ständig haben Sie das Gefühl, dass jemand mit der Stoppuhr hinter Ihnen steht. Der Hurry-Anteil strahlt Unruhe, Zeitdruck und Chaos aus. Alles muss besonders rasch und sofort getan werden. Am Besten macht man die Dinge gleichzeitig. Im hektischen Anteil reden Sie in schnellen, kurzen Sätzen, antworten auf Nachrichten mit einem einzigen Wort oder vergessen häufig andere Personen über neue Arbeitsschritte und bereits erledigte Aufgaben zu informieren. Hektiker zeigen ihre Ungeduld, die sie nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen haben, durch Fingertrommeln, mit dem Fuß wippen, wiederholtem Blick auf die Uhr, etc. Wenn Mr. Hurry in Ihnen aktiv ist, haben Sie immer das Gefühl etwas Wichtiges zu verpassen, eine Gelegenheit nicht wahrnehmen zu können oder nicht genug geschafft zu haben.


Die Triebfeder des hektischen Anteils ist es, vor unangenehmen Gefühlen davon zu laufen. Gefühle von Minderwertigkeit werden dadurch vermieden, dass man einfach nie zum Stillstand kommt und die unangenehme Gefühlswelle nicht über einen hereinbrechen kann. Sie können sich sicher vorstellen, dass dieser Plan auf Dauer mit einem menschlichen Körper, der Belastungsgrenzen hat, nicht aufgeht.


4) Der Allen-Recht-Macher "Miss/Mister Sunshine"

Häufig Gedanken in diesem Anteil:


"Ich muss alle zufrieden stellen."

"Sei hilfsbereit, selbstlos und immer freundlich!"

"Denke zuerst daran, was andere brauchen!"

"Denke an dich, wenn überhaupt, zuletzt!"



Leitend ist bei diesem Anteil die Angst vor Ablehnung gepaar mit der Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. Um dies zu erreichen ist eine maximale Vermeidung von Konflikten und Streitigkeit und am Besten auch die Vermeidung eingener Bedürfnisse nötig. Ein ständiges Lächeln, ein "Ja!" zu allen Vorschlägen und grenzenslose Hilfsbereitschaft zeichnen diesen Anteil aus.


Wenn dieser Anteil aktiv ist, fühlen Sie sich dafür verantwortlich, wie es den Mitmenschen um sie herum geht. Sie vermuten sehr häufig, was sich andere wünschen oder was andere brauchen. Die eigenen Bedürfnisse werden komplett hinten angestellt. Miss/Mr. Sunshine möchte beliebt sein und hat nicht gelernt, „Nein!“ zu sagen. Gleichzeitig erhofft man sich, dass andere ebenso Ihre Wünsche und Gefühle "lesen können", ohne dass die eignen Bedürfnisse und Wünsche klar geäußert werden. Ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl für das Glück von anderen, Bescheidenheit und Selbstlosigkeit zeichnen diesen Anteil aus. Ursprung des "allen-Recht-machens" ist ein niedriges Selbstvertrauen und der Versuch durch die guten Taten Ihren Selbstwert zu verbessern.


Für die Mitmenschen ist ein stark ausgeprägter People Pleasing Anteil sehr anstrengend, da man keinerlei Reibungspunkte wahrnimmt und es dem Gegenüber an Authentizität fehlt. Gleichzeitig kann das ständige Entschuldigen und Ändern der Meinung je nachdem, wer das Gegenüber ist, einen schlechten Eindruck hinterlassen. In der Folge ziehen sich Menschen von People Pleasern zurück, was in denen noch mehr Angst vor Ablehnung auslöst und zu mehr Anpassungsversuchen führt.


5) Der Be-und Verurteiler "The BOSS"

Häufige Gedanken:


"So wie du bist, bist du wertlos, enttäuschend, nicht liebenswert, eine Null"

"Das war total blöd von dir!"

"Wie kann man sich nur so dumm anstellen!"

"Andere kriegen das sicher besser hin!"

"Du bist zu nichts zu gebrauchen."


Dieser Anteil ist mächtiger als alle anderen Kritiker. Denn er beobachtet, bewertet und verturteilt alles und jeden. Er zieht ständige Vergleiche mit anderen, in denen man selbst immer schlechter abschneidet (Aussehen, Job, Leistung, Erfolg, Partnerschaft, Kinder etc.).


Dieser Anteil glaubt, besser zu wissen, wie das Leben zu funktionieren hat, als der Erwachsene-Selbstanteil. Der Boss ist der Meinung, zu wissen, wo Gefahren lauern, wie man sich behaupten muss, etc. Deswegen hält er uns auch davon ab Dinge zu tun, die wir eigentlich tun möchten, doch die nicht den moralischen Vorstellungen des Bosses entsprechen. Er macht neue Ideen und Gedanken sofort schlecht und tut sie als "unrealistisch, unerreichbar oder Spinnerein" ab. Im Grunde genommen möchte er verhindern, dass wir von irgendwelchen außenstehenden Menschen kritisiert, abgewertet und verurteilt werden und übernimmt (zu unserem eigenen "Wohl") diese Aufgabe gleich selbst. Gleich nach dem Motto: Wenn ich zu mir selbst sage, dass ich nichts wert bin, dann tut es nicht mehr so weh, wenn andere mir das auch sagen.


Der Boss beschränkt sich bei seiner Verurteilung und Kritik nicht auf einen einzigen Lebensbereich, sondern der Anteil wertet Ihr gesamtes Mensch sein ab. "Du bist nichts wert, du bis ein Totalversager, du bist böse,..."


2 b) Woher kommen denn diese nervigen Leute in meinem Kopf?


Die Entstehung des inneren Kritikers kann, wie die Entstehung aller Selbstanteile, verschiedene Ursachen haben.


Die kritischen Anteile in uns, waren in unserer Kindheit kritische Stimmen außerhalb von uns. Das heißt viele Sätze, die unsere inneren Anteile heute zu uns sagen, haben wir früher von nahen Bezugspersonen oder auch sozialen Kontakten gehört. Auch die sozialen Medien können innere Kritiker auf den Plan rufen. Beispielsweise wenn wir eine Heidi in unserem Kopf haben, die immer sagt "Ich habe heute leider kein Foto für dich", sobald wir ein Stück Kuchen anschauen.


Entscheidender und prägender sind aber die Regeln, Werte und Normen die wir von unseren Eltern und frühen Bezugspersonen mitbekommen haben. Kinder lernen schnell, die Regeln und Werte, die die Eltern vertreten, zu befolgen und sich anzupassen, da dies einfach für das Familienklima zuträglich ist. Häufig sind das auch gar keine schlechten oder dummen Regeln. Allerdings neigen manchmal Eltern dazu, bestimmte Werte und Regeln zu überhöhen. Sei es weil sie es bei ihren eigenen Eltern so gesehen haben oder weil sie unbedingt alles total anders machen wollen als ihre Eltern. So kann es sein, dass in der Familie unserer Eltern auf gute Schulnoten großen Wert gelegt wurde. Wenn wir gute Noten bekamen, dann gab es Aufmerksamkeit, Lob und Zuwendung. Außerdem konnten wir Ärger, Strafen und Disharmonie vermeiden.


In solchen Moment entsteht dann ein Anteil in uns, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, uns dabei zu unterstützen von nun an nur noch gute Noten zu bekommen. Dieser Anteil kritisiert ungenügende Leistungen aufs Schärfste und wenn diese Kritik im eigenen Kopf stattfindet, fühlt sich das extrem unangenehm an. Also werden wir von da an versuchen, den Kritiker im Kopf der immer bessere und bessere Noten bekommen will, zur Ruhe zu bringen, indem wir das machen, was er von uns fordert.


2 c) Wann kommt es zu Problemen mit den inneren Anteilen?


Die Schwierigkeiten beginnen genau dann, wenn wir vom Schulleben und dem Leben bei den Eltern ins Berufsleben oder Studium bzw. in ein Leben außerhalb des Elternhauses starten. Leider zieht nämlich der innere Kritiker aus Schulzeiten auch mit in unsere Studentenwohnung ein und nimmt auch hier seine Aufgabe immernoch extrem ernst.


Inzwischen hat er vielleicht auch Verstärkung bekommen und wird auch noch von einem Inneren Antreiber "Mr. Zeit ist Geld" unterstützt. Solch ein Antreiber sagt dann Dinge wie "Ich muss das Studium in Regelzeit schaffen." und dann sagt der Innere Perfektionist "Ja, aber das muss dann auch ein Durchschnitt von mindestens 1,5 werden, sonst finden wir nie einen Job."


Die Hauptproblematik liegt darin, dass unsere inneren Anteile nicht wissen, dass wir inzwischen älter geworden sind und unabhängiger von den Eltern und deren Normen und Werten unser Leben führen könnten.



3. Wie kann ich mir die inneren Anteil besser vorstellen?

Stellen Sie sich vor, Ihr Leben sei eine Busfahrt. Sie fahren den Bus und sitzen am Steuer und Sie bestimmen auch, wohin es gehen soll. Leider sind Sie nicht allein in dem Bus, sondern Sie haben noch einige Mitfahrer, die ab und an zu Ihnen kommen und auch immer wieder versuchen, Ihnen das Steuer aus der Hand zu nehmen. Solche Mitfahrer können fürsorgliche Väter sein, die Sie daran erinnern immer mal den Luftdruck zu überprüfen oder Sie darauf hinweisen, das Licht einzuschalten. Manchmal kommen aber auch die kritischen inneren Anteile nach vorn und befehlen Ihnen schneller zu fahren, besser aufzupassen, an Kreuzungen abzubiegen, wo Sie lieber geradeaus fahren würden etc.


Solch eine Busfahrt kann Sie viele Nerven kosten. Die Kunst besteht darin, sich immer wieder zu sagen, dass SIE der Fahrer des Busses sind. Sie allein entscheiden, wo es hingeht und wie schnell oder langsam und wie viele Umwege Sie nehmen möchten. Sie fahren den Bus!


Das Ziel ist es auch nicht, alle anderen Fahrgäste rauszuschmeißen, denn die haben leider eine Dauerfahrkarte gebucht und werden sich nicht vertreiben lassen und spätestens an der nächsten Tankstelle hätten die ihren Bus wieder eingeholt.


Ziel ist es also trotz der immer wieder auftauchenden kritischen, ängstlichen oder kindlichen Anteile im Bus, den eigenen Weg im Auge zu behalten und sich ab und an auch um die sehr lauten Fahrgäste zu kümmern. Das kann folgendermaßen gelingen...


3. Drei Tipps zum Umgang mit dem Inneren Kritiker


3 a) Achtsamkeit

Nur Dinge, die uns bewusst sind, können wir verändern. Das bedeutet, solange wir Situationen unachtsam und automatisch durchlaufen, wird sich unserer innerer Kritiker immer wieder heimlich und eindrücklich in unsere Gedanken schleichen. Wir verschmelzen mit ihm und bemerken gar nicht, dass er und wir nicht 100 % gleich sind. Er ist ein Anteil von uns, den wir uns bewusst machen können.


Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und die Aufmerksamkeit voll und ganz auf die jetzige Situation zu richten. Lesen Sie gern meinen Blogartikel über Achtsamkeit, wenn Sie tiefer in das Thema eintauchen möchten.


Achtsamkeit ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Je mehr achtsame Momente Sie in Ihren Alltag einfließen lassen, desto einfacher wird es Ihnen gelingen im Hier und Jetzt zu bleiben und Ihren inneren Kritker auf frischer Tat zu ertappen.


Richten Sie z. B. Ihre Aufmerksamkeit auf Situationen, in denen sich Ihre Stimmung verschlechtert, in denen Sie sich traurig und niedergeschlagen fühlen und Sie bemerken, wie mehr und mehr abwertende oder antreibende Gedanken in Ihrem Kopf umherziehen. Dann haben Sie die Chance den inneren Kritiker zu hören und sich mit seinen Kommentaren aktiv auseinanderzusetzen und nicht blindlings Ihren Bus in die falsche Richtung zu steuern.


3 b) Selbstmitgefühl

Manchmal gibt es Tage, an denen laufen die Dinge nicht so, wie sie sollen. Menschen mit starken selbstkritischen Anteilen, neigen dazu, an solchen Tagen besonders hart und strafend mit sich zu sprechen. Dabei fallen Sätze wie: "Ist ja klar, das dir das wieder passiert. Wie kann man so doof sein. Geschieht dir recht, dass du das jetzt ausbaden musst. Jemand wie du kriegt das halt nie besser hin. Dich kann eh keiner leiden."


Autsch! Das tut weh.


Wenn uns Fehler passieren, wir uns "nicht richtig" verhalten oder Menschen uns verletzen, sollten wir ganz besonders rücksichtsvoll mit uns selbst umgehen.


Selbstmitgefühl bedeutet nicht, dass wir uns bemittleiden. Selbstmitgefühl ist nicht Selbstmitleid! Es geht darum, für sich annehmen zu können, dass diese Situation schwierig ist, dass Dinge gerade weh tun, dass Dinge auch schlecht laufen dürfen ohne, dass wir uns dafür die Schuld geben müssten oder uns gar bestrafen.


Kristin Neff hat ein wunderbares Buch über Selbstmitgefühl geschrieben, dass ich jedem meiner Klient*innen ans Herz lege : "Selbstmitgefühl: Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden"


3 c) Bedürfnisse des Kritikers erkennen


Der wohl wichtigste (und schwierigste) Schritt im Umgang mit dem inneren Kritiker ist zu erkennen, was er uns eigentlich sagen will!


In der Gewaltfreien Kommunikation versuchen wir, hinter allen Vorwürfen, Urteilen und Abwertungen die dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen. Die Urteilssprache nennt Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunkation, die so genann "Wolfssprache". Der Wolf ist der Anteil in uns und in anderen, der durch harte Urteile, Abwertungen und Vorwürfe verzweifelt versucht, seine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen. Leider führt die Art, wie der Wolf Dinge sagt dazu, dass sich die Mitmenschen eher verschließen, sich verteidigen und vor dem Wolf schützen möchten. Deshalb werden die Bedürfnisse, die der Wolf eigentlich hat, nicht gehört und somit auch nicht erfüllt.


Auch der innere Kritiker in uns spricht in Wolfssprache. Er bewertet, fällt Urteile, macht uns Vorwürfe etc. Doch auch hinter dem inneren Kritiker stecken Wünsche und Bedürfnisse.

Leider verpackt dieser innere Anteil die darunterliegenden Bedürfnisse so gut, dass es uns selbst schwerfällt sie zu erkennen, obwohl sie in uns verborgen sind.


Blöde Sache. Da wettert jemand in unserem Kopf gegen uns, der eigentlich für uns etwas erreichen möchte, aber wir hören das nicht, weil wir zu sehr mit den negativen Gefühlen und Gedanken beschäftigt sind, die das Gesagte in uns auslöst.


Also müssen wir versuchen, die Sprache unseres inneren Wolfes in die Giraffensprache (die Sprache des Herzens) zu übersetzen, damit wir Zugang zu den Bedürfnissen des inneren Kritikers und auch uns selbst bekommen.


Dies gelingt am besten, indem wir die Technik der gewaltfreien Kommunikation anwenden und versuchen dem Wolf in unserem Kopf empathisch zuzuhören. Wenn Sie sich mit der Technik der gewaltfreien Kommunikation näher befassen möchten, kann ich Ihnen meinen Blogartikel Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) empfehlen.


4. Begeben Sie sich mit mir auf die Reise zu Ihren Selbstanteilen


Haben Sie im ein oder anderen Satz des Kritikers einen eigenen Anteil wiedererkannt?


Bemerken auch Sie im Alltag häufig den Wolf in sich, der Ihnen erzählt, wie schlecht Sie alles machen?


Wenn Sie bereits die Impulse aus diesem Blogartikel hilfreich fanden, dann stehen die Chancen gut, dass Sie mit einer individuellen Beratung in meiner Onlinepraxis noch viel mehr erreichen können.


Wir lernen dort Ihre inneren Anteile kennen, können ergründen, in welchen Lebensphasen Sie Ihnen gute Dienste geleistet haben und dürfen uns von Anteilen verabschieden, die Sie im Alltag belasten. Gleichzeitig können wir uns mit der Struktur Ihres Selbstwertgefühls beschäftigen und ergründen, an welchen Stellen Bedürfnisse noch nicht so erfüllt werden, dass Sie sich stabil in Ihrem Wert fühlen.


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